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Geistlicher Impuls

Liebe Leser,
„der Zöllner kehrte als Gerechter zurück...“

Als Gottesdienstvorsteher ist es mir sehr vertraut: Dir Kirchenbänke sind hinten gefüllt und vorne eher spärlich bestückt. Sind es alles jene Zöllner, die sich nicht trauen nach vorne zu gehen? Manchmal habe ich diese Frage so öffentlich formuliert.

In der eher auf Darstellung und Präsentation ihrer selbst ausgerichteten (Medien-)Gesellschaft wollen viele von uns schon in der ersten Reihe stehen; man möchte gesehen werden und in den Zeitungen vorkommen usw.

Vermutlich zeigt uns allen das Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner, was wirklich wichtig und richtig, was fromm und gerecht ist!

Ein Pharisäer ist ein frommer Jude; er hält sich an die Gesetze des Mose und ist in vorderster Front beim Gebet im Tempel. Ich frage mich und Dich: Gehören wir als „normale“ oder als „anständige“ Christen nicht auch zu diesen Vorbildern? Und versteht unsere mediale Öffentlichkeit nicht ebenso das Bild eines Christen?

Jesus schaut sich jene an, die sich ihrer Gebrechlichkeit, ihrer Sünde, ihres Außensteherdaseins bewusst sind. Ja, das sind die Zöllner, jene Gruppe, die in der Gesellschaft verhasst waren, die einen ausgenutzt haben und ständig über den Tisch ziehen. Da auch laut dem jüdischen Verständnis alle Menschen Sünder sind und der Erlösung Gottes bedürfen, ist für Jesus jener Zöllner der wahre fromme Jude. Er erkennt seine Schuld und bittet immer wieder um Erlösung, um Befreiung.

Wie gut steht es mir und Dir an, wenn wir zu allererst uns als „bedürftige“ Menschen empfinden; wenn wir dann vor Gott hintreten, und um Erlösung und Befreiung bitten? Auch bei der Forderung nach einer synodalen Gemeindestruktur, nach Veränderung der Kirche, geht es aus meiner Sicht in erster Linie um diese Einsicht der Unvollkommenheit und der Sehnsucht nach Befreiung.

Einen gesegneten Sonntag wünscht..

Pfarrer Wolfgang Zopora

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